Auswirkungen von Baufeuchtigkeit auf Fenster und andere Gebäudehüllenbauteile

Fenster sind wie andere Gebäudehüllenbauteile während der Bauphase teilweise hohen Feuchtigkeitsbelastungen ausgesetzt, für welche sie nicht entwickelt wurden und welchen sie während der eigentlichen Lebens- und Nutzungsdauer nicht oder nicht im selben Masse ausgesetzt sind. Besonders Fenster und andere Bauteile aus Holz und Holzwerkstoffen können durch entsprechende Feuchtigkeitseinwirkungen bereits während der Bauphase irreversible Schädigungen erleiden. Nachfolgend erläutern wir die vielseitigen Feuchtequellen und deren negativen Ein- bzw. Auswirkungen sowie mögliche Präventiv-Massnahmen.

Hohe relative Luftfeuchtigkeit bewirkt bei Einwirkungsdauern von mehreren Tagen oder sogar Wochen eine Erhöhung der Holzfeuchtigkeit aufgrund des «Ausgleichsfeuchte-Effekts». Die Werkstoff-Ausgleichsfeuchte der gängigen Fensterholzarten überschreiten dabei jedoch erst ab einer längerfristigen, relativen Luftfeuchtigkeit von > 75 % rF (Temperaturbereich von ca. 0 °C bis 20 °C) den gemäss SIA331:2012 definierten Höchstwert von 15 %m. Beim Einbringen von Unterlagsböden, Verputzen und dergleichen, stellen sich im geschlossenen Bauwerk kurzfristig oftmals Werte von bis zu 90 % rF ein. Das heisst, dass über einen Zeitraum von mehreren Tagen oder Wochen ein deutlich erhöhter Luftwechsel nötig ist, um die Feuchtigkeit abzuführen. Dies kann mit manuellem Lüften oftmals nicht mehr sichergestellt werden, weshalb die Raumluft situativ auch technisch getrocknet werden muss. Diese Herausforderung kann jedoch gut und mit einfachen Mitteln gelöst werden.

In der kälteren Jahreszeit kommt es jedoch aufgrund der tieferen Oberflächentemperaturen der Bauteile oftmals zu massivem Kondensatanfall am Bauteil, bzw. im Funktionsbereich desselben. Dazu kann kein genereller Grenzwert bezüglich der zulässigen, relativen Luftfeuchtigkeit genannt werden. Dies, da die entsprechenden Situationen stark von der Innen- und Aussenlufttemperatur abhängen. Da sich anfallendes Kondensat schnell schadhaft auf Holzbauteile sowie auf nicht ausreichend korrosionsgeschützte Metallkomponenten auswirkt, ist eine laufende, visuelle Überwachung der Baustelle angezeigt. Bei entsprechenden Kondensat Feststellungen ist ein umgehendes Handeln angezeigt. Als Faustregel kann jedoch festgehalten werden, dass die relative Raumluftfeuchtigkeit in der kalten Jahreszeit den Wert von 60 % rF generell nicht übersteigen sollte. Weiter sollten Fenster unmittelbar nach der Montage korrekt einjustiert werden, damit sie ihre sogenannte, klimatrennende Funktion (Trennung des Funktionsbereichs von Raumklima) sowie die Anforderungen an Luft- und Schlagregendichtheit sofort erfüllen können.

Ein weiterer Einflussfaktor, welcher sich negativ auf Holzbauteile der Gebäudehülle auswirkt, ist ein feuchtes/nasses Tragwerk. Dies stellt sich zum Beispiel in Form durchfeuchteter Mauern bis hin zu Wasserlachen auf dem Boden dar. Werden Holzbauteile in oder an feuchtem Tragwerk montiert und abgedichtet, kommt es über Diffusions- und Kapillarprozesse punktuell zu starker Auffeuchtung der betroffenen Holzbauteile. Wird dies nicht erkannt und an der Substanz weitergebaut, kommt es oftmals zum langfristigen Einschluss von Feuchtigkeit (speziell im Bereich von Abdichtungsanschlüssen) und zu entsprechenden Schäden. Abhilfe schafft hier eine korrekte Untergrundprüfung (und laufende Überwachung) mit allfälliger Mitteilung an die Bauleitung, wenn die Bedingungen ein Montieren der Bauteile nicht zulassen oder sich während der Montage entsprechend negative Bedingungen einstellen. Sehr wichtig ist ausserdem die Feuchtigkeitsmessung von Holz-Bauteilen vor dem Erstellen einer äusseren Abdichtung (bituminös oder mittels Flüssigkunststoff). Die Holzfeuchtigkeit muss dabei ≤ 16 %m betragen. Eine höhere Feuchtigkeit kann zu einer Ablösung der Abdichtung führen.

Ebenfalls stellt die Belastung durch Regen während der Bauphase besondere Herausforderungen für Gebäudehüllenbauteile dar. Dies, da während der Bauphase oftmals Bauteilbereiche witterungsexponiert sind, welche im finalen Einbauzustand keinen direkten Kontakt mit Wasser haben. Besonders sensibel sind in diesem Kontext Holzwerkstoffe aus nicht wasserfesten Plattenmaterialien wie zum Beispiel Rahmenverbreiterungen von Holzfenstern. Auch Befestigungsmaterialien wie Direktschrauben, o.ä. werden in der Regel für den finalen Zustand der Gebäudehülle/Fassade ausgelegt, wo sie planerisch oftmals im Funktionsbereich der Fassade zu liegen kommen. Werden nun verzinkte Befestigungsmittel verwendet, welche während der Bauphase wochen- oder monatelang der Witterung ausgesetzt sind, kann es im Kontaktbereich zu anderen Bauteilen und in den Bohrlöchern von Beton oder Mauerwerk zu (Bohrloch-) Korrosion kommen, welche schlimmstenfalls die Tragfähigkeit der Befestigung nachhaltig negativ beeinträchtigt. Es ist daher auf eine ausreichende Bauzeitenabdichtung zu achten, welche möglichst rasch nach der Fenstermontage angebracht werden muss. Diese muss unter Umständen über mehrere Monate einen entsprechenden Schutz bieten. Entsprechende Massnahmen müssen geplant und ausgeschrieben werden. Es ist nicht die alleinige Aufgabe des Unternehmers seine Bauteile zu schützen. Spätestens nach der Gewerkeabnahme liegt die Verantwortung beim Bauherrn, welcher für den Rest der Bauphase für die entsprechende Schadfreiheit der Bauteile besorgt sein muss.

Sämtliche obige Ausführungen sind im Kontext von Holzbauteilen besonders wichtig. Jedoch gelten die Ausführungen auch für feuchteunempfindlichere Bauteile. Beispielsweise kann es auch bei Kunststofffenstern zu Schäden durch Beschlags- oder Befestigerkorrosion, etc. kommen.

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