2504 ■ 16.05.2025 / fensterinform gmbh ©
Einsatz von «pressblankem» Aluminium bei Fenstern
Die moderne Architektur steht vermehrt in der Diskussion um Ökologie und Nachhaltigkeit bei der Verwendung von Baustoffen. In diesem Kontext wird in der Baubranche aktuell auch der Werkstoff Aluminium vermehrt bezüglich energetischer und chemischer Aspekte diskutiert. Dies unter der Prämisse Materialien möglichst so einzusetzen, dass für ihre Herstellung die verwendete Energie und der Einsatz von Chemikalien auf ein Minimum reduziert werden kann. Eine Konsequenz daraus sind vermehrte Anwendungen von rohem, sprich «pressblankem» Aluminium auch im Fenster- und Fassadenbereich. Dabei überlagern sich die ökologischen Aspekte teilweise mit gestalterischen Ansprüchen bei welchen der «pressblanke» Look, sowie die im Ausseneinsatz resultierende, natürliche Oberflächenoxidation aus gestalterischen Gründen gewünscht wird. Nachfolgend ordnen wir entsprechende Anwendungsfälle in normativer, anwendungstechnischer und gestalterischer Hinsicht ein.
Normative Aspekte
In der SIA-Norm 331:2012 wird im Kapitel 4.2.2.1 betreffend der Blend- und Flügelrahmenmaterialien folgendes definiert: Die Materialien müssen korrosionsbeständig und dauerhaft korrosionsgeschützt sein.
Da unbehandeltes Aluminium obigen Ansprüchen nicht generell gerecht wird, kann festgehalten werden, dass eine entsprechende Anwendung normativ grundsätzlich nicht zulässig ist. Da sich aus der Anwendung von pressblankem Aluminium i.d.R. jedoch keine Gefahren für «Leib und Leben» ergeben, sondern vorwiegend optische Aspekte berücksichtigt werden müssen, steht aus technischer Sicht einer Ausführung normalerweise nichts im Wege. Im Realisierungsfall sollten die Rahmenbedingungen und Konsequenzen jedoch vertraglich zwischen Bauherr und dem ausführenden Unternehmen geregelt werden. Zumindest obliegt dem ausführenden Unternehmen aber eine entsprechende Hinweispflicht gemäss SIA 118.
Anwendungstechnische und gestalterische Aspekte
Um den Bauträger oder Planer detailliert über das Produkt zu informieren, ist es unerlässlich, die Eigenschaften von pressblankem Aluminium zu kennen und zu kommunizieren.
Vorteile von pressblankem Aluminium:
- Glatte Oberfläche:
Durch den Strangpressprozess entsteht eine gleichmässige und glatte Oberfläche, die oft für viele Anwendungen ausreichend ist.
- Gute mechanische Eigenschaften:
Auch pressblanke Aluminiumprofile behalten i.d.R. ihre Festigkeit und Steifigkeit, wodurch sie für strukturelle Anwendungen geeignet sind.
- Wirtschaftlichkeit:
Da keine zusätzliche Oberflächenbehandlung erforderlich ist, können pressblanke Aluminiumprofile kostengünstig eigesetzt werden.
Nachteile von pressblankem Aluminium:
- Korrosionsanfälligkeit:
Ohne zusätzliche Oberflächenbehandlung ist pressblankes Aluminium anfälliger für galvanische Korrosionsprozesse. Dies besonders in feuchter oder salzhaltiger Umgebung.
- Kratzer, Abrieb, Verfärbungen:
Die glatte Oberfläche kann leicht Kratzer und Abriebspuren (auch aus dem Produktionsprozess) aufweisen und ist anfällig für Fettrückstände (z.B. Fingerabdrücke), welche sich mit der Zeit dunkel verfärben, bzw. beschleunigt oxidieren.
- Oberflächen-Oxidation:
Unbehandeltes Aluminium neigt ganz grundsätzlich zu oberflächlicher Oxidation. Die Oberfläche wird unregelmässig oxidieren und es können weiss-gräuliche Flecken unterschiedlicher Grösse entstehen. Die Oberfläche wird optisch inhomogen und, je nach Gesichtspunkt, unansehnlich. Um die ursprüngliche, metallische Oberfläche zu erhalten, ist eine regelmässige Pflege und Wartung erforderlich.
- Unterschiedliche Optik von horizontalen und vertikal verbauten Strangpressprofilen
- Verstärkte Schmutzablagerungen durch die Oberflächenstruktur der pressblanken Oberfläche
- Verfärbungen durch den Einsatz von Reinigungsmitteln
- Auflistung nicht abschliessend
Beim Einsatz von pressblanken Aluminiumprofilen ist zudem zu bedenken, dass die rohe, «stumpfe» Oberfläche zu erhöhtem Aufwand im Fertigungsprozess führen kann, beispielsweise beim Aufklipsen auf PA- (Polyamid) oder POM-Klipse (Polyoxymethylen) sowie beim Einbringen von Systemdichtungen. Darüber hinaus kann es bei systembedingten Dichtstoff-Abdichtungen (z.B. in den Ecken der Aluminiumrahmen) zu chemischen Reaktionen mit der Aluminiumoberfläche (Verfärbungen) kommen.
Bei der Montage ist weiter darauf zu achten, dass keine säurebindenden Dicht- und Klebstoffe eingesetzt werden, da es im pH-Bereich unter 4 zu starker Korrosion kommen kann.
Um galvanische Korrosionsprozesse zu vermeiden, ist es ebenfalls wichtig zu berücksichtigen, mit welchen Befestigungsmitteln angrenzende Bauteile, wie z.B. Storenschienen, Absturzsicherungen, Fensterbänke etc., befestigt werden. Da im Aussenbereich oftmals Edelstahlschrauben für die Montage von entsprechenden Komponenten eingesetzt werden müssen, liegt ein Gefälle im elektrochemischen Potenzial vor, welches sich im Aussenklima korrosiv auswirken kann, falls keine ausreichende Trennung der Materialien (Unterlegescheiben, etc.) umgesetzt wird.
Haben Sie konkrete Anwendungsfälle, bei welchen Sie Unterstützung benötigen?
Das fensterinform – Team steht Ihnen gerne beratend zur Seite!
